
Der Klang des Bentley Torcal: Ein bewegender Rhythmus statt einer Kopie des V8
Am 23. September 2026 stellte Bentley mit dem Torcal sein erstes batterieelektrisches Serienfahrzeug vor. Uns bei EV Soundscape interessiert besonders sein Antriebsklang, die „Bentley Dynamic Symphony“. Wie kann ein Auto ohne Verbrennungsmotor dennoch das unverwechselbare Fahrgefühl eines Bentley vermitteln? Beim Torcal führt die Antwort über den Rhythmus.
Was Bentley in einer V8-Aufnahme entdeckte
Nach Angaben von Bentley nahm das Entwicklungsteam einen eigenen V8-Motor im Studio auf und analysierte seinen Klang. Dabei ging es weniger darum, dessen Klangfarbe möglichst genau zu kopieren, als um den Rhythmus, der den Motor so faszinierend macht. In einem weiteren Versuch war auf der einen Seite über Parabollautsprecher der V8 zu hören, während auf der anderen Seite ein Schlagzeuger spielte. Wer sich zwischen beiden Seiten bewegte, nahm laut Bentley bemerkenswerte Ähnlichkeiten in der Energie und emotionalen Wirkung wahr.
Weder ein Motor noch ein Mensch beim Musizieren erzeugt einen vollkommen gleichförmigen zeitlichen Ablauf. Bentley betrachtet kleine Schwankungen und Unvollkommenheiten als Eigenschaften, die einem Klang eine menschliche Qualität verleihen. Gemeinsam mit Musikern entwickelte das Team daraufhin einen neuen Klang für den Torcal. Grundlage waren Aufnahmen echter Instrumente, darunter Schlagzeug, Bratsche und Bassgitarre. Der Klang reagiert auf die Eingaben des Fahrers. Er soll mit neuen musikalischen Mitteln Gefühle hervorrufen, die man mit einem Bentley-V8 verbindet, ohne dessen Klang wörtlich nachzubilden.
Was EV Soundscape an der zeitlichen Klanggestaltung interessiert
Für uns ist besonders interessant, dass Bentley den zeitlichen Verlauf des Klangs in den Blick nimmt. Wir denken dabei an den Moment, in dem ein Klang einsetzt, an den Rhythmus, der beim Beschleunigen durch Veränderungen von Schlagfolge und Klangdichte entstehen kann, an die Reaktion auf Fahrereingaben und an die feinen Schwankungen, die sich damit verbinden. Solche zeitlichen Strukturen können die Beziehung zwischen Fahrer und Fahrzeug prägen.
Dies ist unsere Interpretation des Gestaltungsansatzes von Bentley. Sie bedeutet nicht, dass die internen Audioalgorithmen des Torcal veröffentlicht wurden. Welche akustischen Parameter auf welche Weise gesteuert werden, lässt sich aus den öffentlich verfügbaren Informationen nicht bestimmen. Dennoch eröffnet der Perspektivwechsel eine Anregung für die Klanggestaltung von Elektrofahrzeugen: Anstelle der Frage „Wie ähnlich klingt es einem V8?“ tritt die Frage „Welche zeitliche Struktur kann die Gefühle hervorrufen, die ein V8 vermittelt hat?“
Ein Innenraumerlebnis, das über den Klang hinausgeht
Der Torcal bietet vier Modi: Bentley, Comfort, Sport und Refresh. Bentley beschreibt, wie Klang, Beleuchtung, Klimatisierung, Luftqualität und digitale Informationen zusammenwirken, um je nach Modus eine andere Atmosphäre im Innenraum zu schaffen. Im Sport-Modus wird der Klang intensiver. Im Refresh-Modus sollen mehr Frischluft und helleres Licht dazu beitragen, dass sich die Insassen erfrischt fühlen.
Der Fahrklang reagiert auf die Bedienung des Fahrzeugs. Zugleich tragen Licht, Luft und Anzeigen zum Erlebnis der Insassen bei. Beim Torcal ist der Klang eines Elektrofahrzeugs Teil der gesamten Fahrt. Auch wir bei EV Soundscape möchten neben der Klangqualität berücksichtigen, wie sich das Erlebnis durch das Handeln des Fahrers und im zeitlichen Verlauf verändert.
Um den Klang des Torcal wirklich beurteilen zu können, müssten wir Beschleunigung und Moduswechsel im Fahrzeug selbst erleben. Videos und Hörbeispiele allein reichen dafür nicht aus. Schon jetzt ist Bentleys Versuch bemerkenswert, die emotionale Wirkung eines Verbrennungsmotors in eine neue Klangkomposition zu übersetzen.
Quellen
Dieser Artikel ist eine unabhängige Vorstellung und Einordnung auf Grundlage öffentlich zugänglicher Informationen von Bentley Motors. EV Soundscape steht in keiner geschäftlichen Verbindung zu Bentley Motors.
