Sounddesign als Technologie zur Übersetzung von Produktphilosophie

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Im Rahmen einer Diskussion über Sounddesign hatte ich die Gelegenheit, noch einmal über eine grundlegende Frage nachzudenken: Warum ist Sounddesign überhaupt notwendig?

Zunächst einmal glaube ich, dass der Klang eines Produkts, abgesehen von besonderen Fällen, nur selten der wichtigste Kaufgrund ist.

Es gibt Beispiele wie den Ford Mustang Bullitt, bei dem der Motorsound selbst zu einem Teil des Produktwerts wird und als Kaufgrund eine Rolle spielt. Solche Fälle sind jedoch eher die Ausnahme.

Im Allgemeinen entscheiden sich Menschen bei einem Auto vor allem aufgrund von Leistung, Design, Preis, Funktionen, Marke und ähnlichen Faktoren. Dass ein Kauf allein durch den Produktsound entschieden wird, kommt nur selten vor.

Ist Sounddesign also lediglich ein zusätzlicher Mehrwert?

Mit dieser Formulierung tue ich mich etwas schwer.

Natürlich ist Sound nicht das Produkt selbst. Er ist auch keine zentrale Funktion wie ein Motor, ein Elektromotor oder eine Batterie. Dennoch kann man ihn nicht einfach als bloßes Beiwerk bezeichnen.

Stellen Sie sich einen Stummfilm vor.

Auch wenn die Bilder selbst vorhanden sind, geht ein großer Teil der Emotionen und der Welt, die das Werk vermitteln möchte, verloren, sobald Musik und Soundeffekte fehlen.

Der Klang in einem Produkt hat eine ähnliche Rolle.

In den letzten Jahren kommunizieren Hersteller wie Hyundai und BMW Sound zunehmend aktiv über Medien. Ich denke, dies geschieht nicht einfach, um den Klang selbst hörbar zu machen. Vielmehr wird Sound als wirksames Mittel verstanden, um Markenphilosophie, Fortschrittlichkeit und Produktkonzepte zu vermitteln.

Mit dem Eintritt in das Zeitalter der Elektrofahrzeuge wird diese Tendenz noch stärker.

Während der natürlich entstehende Motorsound verschwindet, nimmt die Bedeutung bewusst gestalteter Klänge wie AVAS oder ASD zu.

Sound wandelt sich vom Nebenprodukt einer Maschine zu einem Gegenstand der Gestaltung.

Sound als ein Teil des Puzzles

Als interessante Beispiele aus der Entwicklung von Automobilsound möchte ich den Ford Mustang Bullitt und Honda S+ Shift nennen.

Beim Mustang Bullitt ist der Motorsound selbst als Teil des Produktwerts etabliert.
Die Kraft des Sound Marketings: Wie Motorsounds Film und Realität verbinden

Bei Honda S+ Shift hingegen entsteht die vollständige Erfahrung nicht durch den Klang allein. Sie entsteht dadurch, dass Sound mit Beschleunigungsgefühl, Schaltinszenierung und dem Bediengefühl des Fahrers verbunden wird.

Die Vorstellung von Honda S+ Shift (englisch)

https://global.honda/en/tech/honda_s_plus_shift
Der Pressespiegel von Honda Prelude

https://www.honda.de/content/dam/local/germany/cars/pdf/Pressespiegel_Honda_Prelude_2026-01.pdf

Als ich Honda S+ Shift selbst erlebt habe, hatte ich den Eindruck, dass sich die „Fahrerlebnisse mit allen fünf Sinnen“ und der „Sound“ sehr gut miteinander verbinden. Es fühlte sich an, als würde das letzte Teil eines Puzzles an seinen Platz fallen.

Sound allein reicht nicht aus.
Beschleunigung allein reicht ebenfalls nicht aus.

Eine vollständige Erfahrung entsteht erst dann, wenn visuelle Wahrnehmung, Bediengefühl, körperliche Empfindung und Sound zusammenkommen.

Das ist auch der Grund, warum ich Sounddesign als „ein Teil des Puzzles, das ein Produkt vervollständigt“ betrachte.

Ein Produkt entsteht nicht durch Sound allein. Doch wenn dieses eine Teil fehlt, kann sich die gesamte Erfahrung unvollständig anfühlen.

Honda S+ Shift ist für mich ein gutes Beispiel dafür, wie dieses Teil erfolgreich an seinen Platz gesetzt wurde.

Was ist Sounddesign?

In diesem Sinne ist Sounddesign nicht einfach das Erzeugen von Klängen.

Ich verstehe Sounddesign als den Vorgang, ein Produktkonzept oder eine Markenphilosophie in eine für Menschen wahrnehmbare Erfahrung zu übersetzen.

Was bedeutet Sportlichkeit?
Was bedeutet Fortschrittlichkeit?
Was bedeutet Sicherheit oder Vertrauen?
Was bedeutet Umweltleistung?

Sound ist eines der Medien, mit denen solche unsichtbaren Werte in eine erlebbare Form übertragen werden können.

In den letzten Jahren ordne ich diese Beziehung zwischen Mensch, KI und Sound unter den Begriffen AI-SQ Engineering und Creative Sound Design ein.

KI analysiert, welche Arten von Klängen Menschen als angenehm oder wünschenswert empfinden.
Menschen nutzen diese Ergebnisse, um Konzepte und Bedeutungen zu gestalten.
Anschließend bewerten Menschen das Ergebnis erneut, und daraus entsteht neuer Wert.

Auch im Zeitalter der KI glaube ich nicht, dass die Rolle des Sounddesigns verschwinden wird.

Im Gegenteil: Die Fragen, was Menschen ausdrücken möchten und welche Art von Erfahrung sie schaffen wollen, werden wichtiger denn je.

Sounddesign ist vielleicht nicht der wichtigste Kaufgrund.

Es ist jedoch ein wichtiges Teil des Puzzles, das ein Produkt vervollständigt, und eine Technologie, mit der die Weltanschauung und Philosophie eines Produkts in eine Erfahrung übersetzt werden.

So verstehe ich Sounddesign.

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