Rückblick auf meinen Vortrag bei der JSAE-Frühjahrstagung

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EV-Sounddesign durch „score-basierte“ Ansätze und die Klangschichten

Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, bei der Frühjahrstagung der Society of Automotive Engineers of Japan — JSAE — einen Vortrag über Score-based Sound Design, eine Methode des Sounddesigns für Elektrofahrzeuge, zu halten.

In diesem Vortrag stellte ich die Idee vor, EV-Sounds, insbesondere AVAS — Acoustic Vehicle Alerting Systems — nicht nur als Warnsignale zu betrachten, sondern als Klangerlebnisse mit einer zeitlichen Struktur.

Der Begriff „score-based“ bedeutet dabei nicht unbedingt, Klänge wie in der Musik auf einem Notensystem zu notieren. Entscheidend ist vielmehr, Klang nicht nur anhand momentaner Klangfarbe oder Lautstärke zu verstehen, sondern zu gestalten, wie er sich im Verlauf der Zeit verändert und wie er einen Eindruck formt.

Das Fahrgeräusch eines Fahrzeugs verändert sich in Verbindung mit Geschwindigkeit, Beschleunigung, Fahrerbedienung, Umgebung und Fahrzeugkonzept. Wenn man diese Veränderungen bewusst gestaltet, lassen sich AVAS, Markensound und das Sounddesign zukünftiger Mobilität innerhalb eines größeren Rahmens von Creative Sound Design betrachten.

Während und nach dem Vortrag erhielt ich zahlreiche Fragen. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir zwei Fragen: Was bedeutet „score-basiertes“ Sounddesign konkret? Und was bedeutet es, EV-Sound als eine Art „Streichinstrument“ zu betrachten?

Ich habe dabei betont, dass ich EV-Sound nicht als etwas verstehe, das beliebig frei gestaltet werden kann. Ebenso wenig ist es das Ziel, den Klang eines Elektrofahrzeugs wie den Klang eines Streichinstruments klingen zu lassen.

Wichtiger ist vielmehr die Frage, wie ein Klang gestaltet werden kann, der als Fahrgeräusch eines Automobils natürlich wirkt und zugleich das Fahrzeugkonzept sowie die Ausrichtung der Marke verkörpert. In diesem Zusammenhang denke ich, dass EV-Sounds bestimmte Aspekte besitzen, die sich durch streichinstrumentenähnliche Eigenschaften besonders gut strukturieren lassen.

Mit anderen Worten: „EV-Sound als Streichinstrument“ bedeutet nicht, den Klang eines Streichinstruments zu imitieren. Es ist vielmehr eine Perspektive, um anhand der zeitlichen und strukturellen Eigenschaften von Streichinstrumenten über eine für Elektrofahrzeuge geeignete Form des Fahrgeräusches nachzudenken.

Am Ende des Vortrags stellte ich das Konzept der „Strata of Sounds“, also der Klangschichten, vor.

Diese Idee wurde durch das Konzept der „Sinnfelder“ des deutschen Philosophen Markus Gabriel inspiriert. Ein einfaches Beispiel ist die Existenz von Dinosauriern. Dinosaurier existierten lange bevor Menschen sie erkannten. Doch erst nachdem sie entdeckt, verstanden und mit Bedeutung versehen wurden, erschienen sie in unserer Welt als etwas, das „existiert“.

Ich glaube, dass die Geschichte des automobilen Klangs einem ähnlichen Verlauf folgt.

Die erste große Schicht war NVH. In dieser Schicht ging es vor allem darum, Geräusche zu reduzieren und leisere Fahrzeuge zu realisieren. Als Fahrzeuge leiser wurden, erschien die nächste Schicht: AVAS, ASD, Markensound und der Bereich des Sounddesigns. Wenn wir weiter in die Zukunft blicken, könnten Systeme wie Human-in-the-Loop AI neue Klangschichten sichtbar machen, die wir bisher noch nicht vollständig erkannt haben.

Wichtig ist dabei, KI nicht nur als Werkzeug zur automatischen Erzeugung zu verstehen, sondern als etwas, das auf andere Weise lernt als der Mensch.

Menschen lernen und verstehen Klang durch Formeln, physikalische Modelle, Emotionen, Erfahrungen und körperliche Wahrnehmungen über die fünf Sinne. Wenn Sounddesigner einen Klang beurteilen, basiert diese Beurteilung nicht nur auf theoretischem Verständnis, sondern auch auf Höreindrücken, Körpergefühl, Erinnerung und kultureller Erfahrung. KI hingegen lernt Muster und Beziehungen, die in großen Datenmengen enthalten sind. Sie kann Klangstrukturen auf eine andere Weise erfassen als Menschen und Ähnlichkeiten oder Möglichkeiten aufzeigen, die Menschen nicht immer sofort bemerken. Mit anderen Worten: Auch wenn Mensch und KI denselben „Klang“ behandeln, unterscheiden sich die Art des Lernens und die Welt, die sie dabei sehen.

Ich glaube, dass gerade diese Differenz neue Kreativität hervorbringen kann. KI ersetzt die menschliche Kreativität nicht. Vielmehr kann sie uns helfen, Klangkonzepte zu entdecken, die bisher noch nicht sichtbar waren, indem sie Möglichkeiten des Klangs aus einer anderen Perspektive aufzeigt als der Mensch.

In diesem Sinne kann der Einsatz von KI im automobilen Sounddesign eine neue Klangschicht eröffnen.

Wenn man auf die Geschichte der automobilen Akustik zurückblickt, scheint es, als hätten wir immer wieder neue Klangschichten freigelegt.

In der Ära von NVH war Klang vor allem etwas, das reduziert werden sollte. In der Ära der Elektrofahrzeuge wurde Klang zu etwas, das Sicherheit und Präsenz vermittelt. In der kommenden Zeit wird Klang, so denke ich, zu einem wichtigen Medium werden, das Markenidentität, Emotion, Kultur, die Zusammenarbeit mit KI und zukünftige Mobilitätserlebnisse prägt.

Vielleicht besteht die Aufgabe von Ingenieuren und Sounddesignern nicht nur darin, Klänge zu schaffen, sondern auch darin, Klänge zu entdecken, die bisher noch nicht gefunden wurden.

Durch diesen Vortrag und die anschließenden Diskussionen konnte ich meine Überlegungen zu den Möglichkeiten des EV-Sounddesigns und zum Konzept der „Strata of Sounds“, also der „Klangschichten“ weiter vertiefen.

Ich danke allen, die meinen Vortrag besucht und ihre Fragen und Kommentare mit mir geteilt haben, von Herzen.

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